IoT als Stadtwerke-Geschäftsfeld

Es muss nicht immer Breitband sein: Das Internet der Dinge (IoT) als Stadtwerke-Geschäftsfeld?

Bei der Suche nach neuen Produkten und Geschäftsfeldern für Stadtwerke liegt es nahe, sich mit Glasfaserverlegung und Telekommunikationsangeboten zu beschäftigen. Eine ganze Reihe von Stadtwerken hat bereits diesen neuen Markt erschlossen. Viel haben aber auch gelernt: Es ist ein schwieriges Umfeld mit aggressiven Wettbewerbern und erfordert von den Unternehmen und ihren (kommunalen Gesellschaftern) deutliche Investitionsbereitschaft.

Weniger im Fokus aber gleichwohl von erheblicher wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Bedeutung steht aktuell noch das „Internet-of-things“ (Iot), das Internet der Dinge. Es umfasst die Vernetzung und Zusammenarbeit von Maschinen, Geräten und Menschen mit Hilfe der Informationstechnologie – vielfach mit „Internet“ gleichgesetzt. Experten schätzen, dass diese Technologie bereits bis zum Jahr 2020 einen weltweiten Markt von 3 Mrd. $ mit rund 25 Mrd. Systemen umfassen wird. Eine Technologie, die vor dem Hintergrund der Digitalisierung von Geschäftsmodellen, Produkten und Dienstleistungen eine Kernfunktion darstellt. Und die sich in alle Lebensbereiche ausdehnen wird: Von smarten Netzen über Industrie, Verkehr bis in die Verästelungen des Privatlebens.

Quelle: Q-Loud GmbH

Kann man an dieser Entwicklung als Stadtwerk partizipieren? Liegen vor dem Hintergrund von vielfach outgesourcten IT-Abteilungen und -Kompetenzen die Hürden für einen Markteintritt nicht zu hoch? Klar ist: Ohne IT-Kompetenz geht es sicher nicht. Aber das ist eine grundlegende Feststellung, die nahezu alle neuen Geschäftsfelder betrifft und wie bei anderen Geschäftsfeldern auch, lassen sich erste Gehversuche als White-Label mit Hilfe von Dienstleistern realisieren.

Erfolg als Netzbetreiber?

Geräte im IoT benötigen eine Kommunikationstechnologie, beispielsweise Funk, um Daten zu übertragen. Bei der Jagd nach immer höheren Bandbreiten wird allerdings gerne übersehen, dass viele Anwendungen des IoT diese Bandbreiten überhaupt nicht benötigen. Aspekte, wie geringer Energiebedarf und damit eine Batteriestandzeit von mehreren Jahren, kostengünstige Sensoren und Funkchips mit der Fähigkeit, selbst aus Untergeschossen zuverlässig Daten zu versenden, sind hier weitaus wichtiger. Das GPS-Tracking von beispielsweise Baumaschinen, Leihgeräten oder die wöchentliche Messung eines Behälter-Füllstands sind kaum datenhungrig.

Für diese schmalbandige Datenübertragung stehen verschiedene Technologien zur Verfügung. Die Mobilfunk-Unternehmen bieten beispielsweise mit dem NarrowBand IoT (auch als LTE Cat NB1 bezeichnet) eine Lösung an, die in ihre bestehenden Mobilfunksysteme integriert ist. Als Alternative, insbesondere für lokale Versorgungsunternehmen, positioniert sich der offene Standard LoRaWAN. In Relation zur mobilen Telefonie (3G, 4G) reichen wenige Gateways aus, um ein Gebiet abzudecken. Mithin sind die Investitionen in Infrastruktur deutlich geringer.

Netz- und Portalbetreiber plus Anwendungsanbieter und -berater

Smart-City-Anwendungen

Quelle: Q-Loud GmbH

Ein Netzwerk-Angebot wird aber erst durch zahlende Nutzer zum Erfolg. Wie bei den meisten neuen Technologien fehlt den potenziellen Nutzern zu Beginn der Verbreitung häufig noch die Vorstellung, wie die Technologie eingesetzt werden kann. Die Erfahrung aus der Praxis zeigt aber: Nach einigen Beispielen oder einem Workshop „sprudeln“ bei den Angesprochenen die Ideen für eigene Anwendungen. Daher ist ein Stadtwerk gut beraten, selbst aktiv Pilot-Anwendungen zu vermarkten bzw. mit dem Einsatz im eigenen Haus deren Nutzen – aber auch die Einfachheit des Einsatzes – zu demonstrieren. Die Vermittlung von Anbietern für die Umsetzung der spezifischen Hard- und Software-Lösung gehört ebenfalls dazu.

Ein „rundes“ Angebot entsteht in der Verbindung von Anwendungsdemonstration, Netzangebot und einer Zugangs- bzw. Managementplattform im Web die über einschlägige Dienstleister bezogen werden kann. Erst durch einen einfach zu nutzenden Webzugang entfallen viele Zugangsbarrieren, wie beispielsweise die Befürchtung mittelständischer Unternehmen, vor einem überbordenden IT-Einsatz.

Mit Netz, Portal und kommunalnahen Diensten starten, testen und Erfahrungen sammeln, dann mit konkreten Beispielen Wohnungswirtschaft, Industrie, Gewerbe, Handel und den Dienstleistungs-Sektor gewinnen – das ist die von Experten empfohlene Vorgehensweise, um das Geschäftsfeld IoT zu erschließen.

Fazit:

Einerseits eignet sich eine IoT-Plattform oder ein LoRaWAN-Angebot für Stadtwerke, um ein neues Geschäftsfeld erschließen und ihr Image im Markt zu schärfen. Eigene Produktinnovationen, neue Angebote der Kommune oder von anderen kommunalen Unternehmen können auf dieser Basis realisiert werden. Andererseits sind Stadtwerke traditionell vertrauenswürdige Institutionen, welche als zuverlässige Basis die Verbreitung der IoT-Technologie in Mittelstand und kleinen Unternehmen voranbringen könnten.

Möglicherweise wäre dies auch eine Problemlösung für Bürgermeister, beim Wettbewerb um Industrieansiedlungen, nach dem Motto „digitaler Gewerbestandort verfügbar“…

 

Walter Schmitz, 2. Juli 2019

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