Heim­di­gi­ta­li­sie­rung als Altersfrage?

Smart Home, das Inter­net-of-things und die künst­li­che Intel­li­genz als Stadt­wer­ke-Ange­bot? Teil 2

Die Digi­ta­li­sie­rung des eige­nen Heims als Altersfrage?

Im ers­ten Teil des Bei­trags haben wir ana­ly­siert, dass Tech­no­lo­gien wie Smart Home, Inter­net-of-things und – stär­ker noch – die künst­li­che Intel­li­genz pola­ri­sie­rend wir­ken. Für die einen sind sie Rea­li­tät gewor­de­ne Sci­ence Fic­tion, mit der es mühe­los gelingt zu Hau­se ein Höchst­maß an Kom­fort und voll­stän­di­ger Kon­trol­le zu errei­chen. Bei den ande­ren exis­tiert ein kul­tu­rel­ler Nähr­bo­den in dem Vor­stel­lun­gen und Ängs­te vor einer unkon­trol­lier­ba­ren Tech­nik in der nächs­ten Umge­bung, näm­lich den eige­nen vier Wän­den, wur­zeln. Die Unzu­läng­lich­kei­ten der bestehen­den Tech­nik und feh­len­de Kom­pe­tenz im Umgang mit sol­chen Tech­no­lo­gien beflü­geln sol­che Befürchtungen.

Ist die­ses pola­ri­sie­ren­de Tech­niki­mage quer durch die Bevöl­ke­rung gleich ver­teilt? Nein, es hängt sehr stark von Alter und Bil­dungs­ni­veau ab, ob man die Tech­nik unbe­fan­gen will­kom­men heißt oder eher ablehnt. Eine ein­fa­che Nähe­rung erhält man bei einer Betrach­tung der Bevöl­ke­rungs­ko­hor­ten bzw. Genera­tio­nen. Dazu grei­fe ich auf die bei Sozio­lo­gen belieb­te Ein­tei­lung in Baby Boo­mers, Gen X/Y/Z usw. zurück (sie­he Dia­gramm). Hier zunächst ein Über­blick nach Geburtsjahrgängen:

  • Silent (1923 – 1945)
  • Baby Boo­mers (1946 – 1964)
  • Gen‑X (1965 – 1980)
  • Gen‑Y (1981 – 1997)
  • Gen‑Z (1998 – 2016)

Gen‑Y und ‑Z: Die digi­ta­le Welt als Selbstverständlichkeit

Die nach 1981 gebo­re­nen „digi­tal nati­ves“ der Genera­ti­on Y und Z betrach­ten die Welt der digi­ta­len Lösun­gen als etwas Selbst­ver­ständ­li­ches. Nicht umsonst wer­den lücken­lo­se Ver­sor­gung mit WLAN und stets ver­füg­ba­rer elek­tri­scher Strom (vul­go „Akku“) nahe­zu als Grund­be­dürf­nis­se ver­stan­den. Ich selbst, ein spä­ter Baby Boo­mer mit ver­meint­lich digi­ta­ler Voll­aus­stat­tung, wer­de blass, wenn ich die Kin­der­zim­mer mei­ner Nich­ten sehe. Kin­der-/Ju­gend­zim­mer der Gen‑Z und Haus­hal­te der Gen‑Y erschei­nen als bun­te Mix­tur aus Media­markt und Conrad-Elektronik.

Als Immo­bi­li­en­be­sit­zer/-pla­ner befin­den sich die Generation‑Y und mehr ‑Z aller­dings eher in der Auf­bau­pha­se. Damit sind sie nur zum Teil die Ziel­grup­pe für fest instal­lier­te Sys­te­me. Draht­lo­se und damit trans­por­ta­ble Smart-Home-Lösun­gen haben für den Life­style die­ser Lebens­pha­se mit beruf­li­cher Mobi­li­tät und Miet­woh­nung Vorrang.

Aber: Die digi­tal Nati­ves als Immo­bi­li­en­er­wer­ber, als Erben und als Häus­le­bau­er wer­den Heim­au­to­ma­ti­sie­rung als Basis­aus­stat­tung eines Heims ver­ste­hen – ein Signal, dass die Pro­jekt­ent­wick­ler von Wohn­im­mo­bi­li­en bereits weit­ge­hend ver­in­ner­licht haben. In die­sen voll­ver­ka­bel­ten Immo­bi­li­en­pro­jek­ten fin­det man dann auch die auf­wen­di­ge­ren, draht­ge­bun­de­nen Lösun­gen, mit denen ein Leis­tungs­um­fang rea­li­siert wer­den kann, der für eine Miet­woh­nung nur bei Total­re­no­vie­rung sinn­voll ist.

Baby Boo­mer und Gen‑X, die digi­ta­len Immigranten

Weni­ger eupho­risch wer­den Heim­au­to­ma­ti­sie­rung und noch stär­ker Inter­net-of-things und künst­li­che Intel­li­genz von den Mit­glie­dern der Gen‑X und den Baby Boo­mers auf­ge­nom­men und regel­recht schwie­rig wird es bei der Silent-Generation.

Aber der Rei­he nach: Baby Boo­mer und Gen‑X haben sich den Weg in die digi­ta­le Welt häu­fig durch den beruf­li­chen Erst­kon­takt mit dem PC erar­bei­tet. Zwar nut­zen sie heu­te eben­falls eine Viel­falt von digi­ta­len Lösun­gen, sind aber kri­ti­scher, denn sie haben Lehr­geld bezahlt. Der Grund: Als „digi­tal immi­grants“ oder „ear­ly digi­tal adop­tors“ haben Sie noch die kon­so­len­ba­sier­ten Betriebs­sys­te­me der PC-Anfangs­zeit und meh­re­re Genera­tio­nen von – aus heu­ti­ger Per­spek­ti­ve – unfass­bar redu­zier­ten und „lah­men“ Com­pu­tern erlebt. Sie wis­sen, dass „bei der EDV (so hieß IT mal) etwas schief­ge­hen“ kann, haben vie­le „Abstür­ze“ gese­hen und hat­ten trotz­dem Spaß an Pac-Man. Die Teens und Twens in den acht­zi­ger Jah­ren leb­ten auch mit der Vor­stel­lung vom „Atom­krieg aus Com­pu­ter-Ver­se­hen“ oder waren über­zeugt, dass ihnen schon bald Sky­net aus Ter­mi­na­tor auf den Pelz rücken würde.

Die Fol­ge ist eine weni­ger selbst­ver­ständ­li­che Grund­ein­stel­lung zum Digi­ta­len. Dafür besit­zen sie etwas, dass für die Ver­brei­tung von smar­ten Lösun­gen in Haus­hal­ten von größ­ter Bedeu­tung ist: Wohn­ei­gen­tum und freie Kauf­kraft. Man fin­det sie auch in vie­len Füh­rungs­po­si­tio­nen und damit als Ent­schei­der über den Ein­satz sol­cher Tech­no­lo­gien in Unter­neh­men oder der Ver­wal­tung. Bei Baby Boo­mers und Gen‑X paa­ren sich Kauf­kraft, Immo­bi­li­en­be­sitz und Ent­schei­der­funk­ti­on mit einer kri­ti­schen Auf­ge­schlos­sen­heit gegen­über den digi­ta­len Angeboten.

Silent, die Genera­ti­on aus der vor­di­gi­ta­len Zeit

Der Zugang von Genera­ti­on „Silent“ zur Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie gestal­tet sich als zwie­späl­tig. Vie­le haben die Büro­au­to­ma­ti­sie­rung mit einer zunächst äußerst unkom­for­ta­blen Tech­nik, ein­schließ­lich Loch­kar­ten, als schmerz­haf­te Umstel­lung erlebt, sind nun im Ruhe­stand und froh die­ser Tech­no­lo­gie ver­meint­lich ent­kom­men zu sein. Das gestal­tet sich bei der rasan­ten Durch-Digi­ta­li­sie­rung des All­tags, bei­spiels­wei­se in Medi­zin, Unter­hal­tungs­elek­tro­nik und der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Kin­dern, aber als zuneh­mend schwie­rig und so wird dann punk­tu­ell doch zu Tablet, Smart­pho­ne oder Navi gegrif­fen. Häu­fig ani­miert durch Kin­der oder Enkel.

Die Anwen­dung wird dann zu einem Kraft­akt. Schon der Hin­weis, die Bedie­nungs­an­lei­tung ste­he als „Down­load“ auf der Web­site zur Ver­fü­gung, ver­stört vie­le der spä­ten IT-Debü­tan­ten nach­hal­tig. Arbeit man sich dann durch ein mehr­hun­dert­sei­ti­ges „Manu­al“, ist es mit dem Ver­gnü­gen an der Tech­nik oft bereits vor­bei. Inter­es­san­ter­wei­se gelingt dann auch nicht die Über­tra­gung, dass eine Menü­steue­rung ein uni­ver­sel­les Merk­mal von IT ist, viel­mehr beginnt man mit jedem Gerät von Grund auf neu. So wer­den von den Ange­bo­ten des Smart Home ten­den­zi­ell Insel­lö­sun­gen ver­wen­det – trotz Immobilieneigentums.

Der­ar­tig ver­schie­de­ne Aus­gangs­vor­aus­set­zun­gen soll­ten signi­fi­kan­te Aus­wir­kun­gen auf Pro­dukt­po­li­tik, Ver­triebs­we­ge und das Mar­ke­ting haben. Im nächs­ten Teil die­ser Blog-Rei­he wer­fen wir einen Blick auf die­se The­men und gehen auch den Fra­gen nach:

  • Wird das Stadt­werk als Anbie­ter, als Point-of-sale, als Kom­pe­tenz­trä­ger und Pro­blem­lö­ser in der digi­ta­len Welt ver­stan­den bzw. akzeptiert?
  • Und wie unter­schei­den sich hier die Wahr­neh­mun­gen der Generationen?

Übri­gens: Der Autor ist ein spä­ter Baby Boo­mer mit Silent-Eltern, Gen-X-Brü­dern, einer Gen-X-Schwä­ge­rin und Gen-Z-Nichten.

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